Erschienen am: 1785936215
Meilensteine der IT-Geschichte
In der Landes- und Katastervermessung galt die Verwendung von Logarithmentafeln, Rechenschiebern und Kurbelmaschinen lange Zeit als größter technischer Fortschritt. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts hielt jedoch die Computertechnik Einzug in die Bayerische Vermessungsverwaltung und die Arbeitsmethoden veränderten sich grundlegend.
1957 nahm das damalige Bayerische Landesvermessungsamt seinen ersten Computer in Betrieb: eine 800 kg schwere Z11 von Konrad Zuse (1910-1995), der den ersten funktionsfähigen Computer der Welt entwickelte. Die Potentiale der Großrechnertechnik für die Massenberechnungsarbeiten wurden schnell erkannt. Die Entscheidung, im gesamten Bereich der Bayerischen Vermessungsverwaltung Rechen- und Zeichenautomaten zu nutzen, erwies sich als zukunftsweisend. Mit Erlass des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen vom 11. Oktober 1961 wurde daraufhin eine „Zentrale Automationsstelle“ als Rechen- und Zeichenzentrale eingerichtet. Deren Aufgabe war es, die Automatisierungsarbeiten des Landesvermessungsamts und der Landesbesoldungsstelle zu koordinieren und alle durch die Automation bedingten organisatorischen und verwaltungsmäßigen Arbeiten zu steuern. Die Automationsstelle fungierte als „Sammelstelle für alle zur automatischen Auswertung gelangten Arbeiten der Vermessungsverwaltung, also auch für Fortführungsvermessungen“. Sie war unmittelbar dem Präsidenten unterstellt. Das Personal bestand aus einem Leiter sowie vier Mitarbeitern. Zum 1. Januar 1989 wurde die Automationsstelle in die Abteilung für Informations- und Kommunikationstechnik umgewandelt: ein Meilenstein in der Geschichte des IT-Einsatzes in der Bayerischen Vermessungsverwaltung. Heute besteht die 2016 neu gebildete Abteilung für Digitalisierung aus sechs Referaten mit mehr als hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Durch den Zusammenschluss mit dem IT-Dienstleistungszentrum (IT-DLZ) und dem Breitbandzentrum Amberg zum 1. Januar 2014 wurde die IT-Geschichte der Bayerischen Vermessungsverwaltung entscheidend erweitert. Das IT-DLZ fungiert heute mit sechs Abteilungen und seinen rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als zentraler Dienstleister für alle operativen IT-Aufgaben.
Parallel zu diesen organisatorischen Weichenstellungen verlief die technologische Entwicklung im Arbeitsalltag. Stand in der Anfangszeit der Großrechnerära die rechnerische Auswertung von Katastervermessungen im Mittelpunkt, so war die Zeit von 1969 bis 1975 von der systematischen Speicherung großer Datenbestände geprägt. Der fortschreitende Digitalisierungstrend zeigte sich 1987 vor allem auch in der beginnenden Herstellung digitaler Flurkarten. Kurz darauf, im Jahre 1990, folgte die bayernweite Einführung von Programmen für das dezentrale Automatisierte Liegenschaftsbuch an fast allen damaligen Vermessungsämtern. 1999 ermöglichte ein neuer Geodatenserver Produktbestellungen im Internet, 2011 wurde das Geoportal Bayern freigeschaltet und 2012 der kostenfreie, interaktive Online-Kartendienst der Bayerischen Vermessungsverwaltung, der BayernAtlas. Ein weiterer technologischer Meilenstein war die Einführung von ALKIS (Amtliches Liegenschaftskatasterinformationssystem) 2013. Die Bayerische Vermessungsverwaltung hat hierfür eine eigene Software entwickelt und so das bundesweite Fachmodell in Bayern digital souverän implementiert. Am 18. November 2015 wurde das vom IT-Dienstleistungszentrum konzipierte Bayernportal freigeschaltet. Am 20. Oktober 2016 wurde das erste von insgesamt 13 BayernLabs eröffnet. 2023 startete OpenData mit einer großen Auswahl an Geobasisdaten, die von der Bayerischen Vermessungsverwaltung seitdem kostenfrei im Internet zur Verfügung gestellt werden. Um staatlichen Behörden in den Bereichen Cloud und Künstliche Intelligenz Produkte und Dienstleistungen anzubieten, wurde 2024 im IT-Dienstleistungszentrum der Aufbaustab IT 6 Cloud-Service und KI eingerichtet.
Literatur:
Stefan Scheugenpflug, Klaus-Georg Friedel u.a.: 50 Jahre IT-Einsatz in der Bayerischen Vermessungsverwaltung. In: Mitteilungen 4/2011, S. 321-345.